Zahn um Zahn
Im Schlossfoyer stellt der Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie die Entwicklung des Gebisses an Hand einiger Exponate aus der Zoologischen Sammlung der Universität in den Mittelpunkt. Die Ausstellung wird bis Ende März gezeigt und ist Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 16.30 und am Freitag von 8.30-12.30 geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Zähne waren entscheidend für den Erfolg der Wirbeltiere, da neue Ernährungsstrategien und damit auch Lebensweisen durch die Bezahnung ermöglicht wurden. Ursprünglich als Hautschuppenpanzer entstanden, ermöglichten die Zähne nach Entwicklung der Kiefer eine räuberische aktive Lebensweise. Im Gegensatz zu den meist ortsgebundenen Plankton–Strudlern wie Schwämmen, Korallen, Muscheln und anderen konnten sich frei schwimmende Formen entwickeln, die sich an Spitze der Nahrungspyramide setzten. Die ursprüngliche Bezahnung bildet meist gleichförmige, spitze Fanggebisse zum Festhalten und Herunterschlingen der Beutetiere, die mechanische Bearbeitung der Nahrung besorgt oft ein muskulöser Kaumagen. Das Kauen im Mundraum ist ein Alleinstellungsmerkmal der Säugetiere, die ein Gebiss mit unterschiedlichen Zahntypen entwickelt haben – Schneidezähne, Fang- oder Eckzähne, Backenzähne und Mahlzähne.
Die Evolution der Säugetiere kann in erster Linie auf die Entwicklung unterschiedlicher Ernährungsweisen zurückgeführt werden, wobei neben den ursprünglichen Fleischfressern auch pflanzenfressende Lebensweisen in mehreren parallelen Linien entstanden sind – Huftiere, Nager, Elefanten und auch unsere eigene Linie, die Primaten.
Darstellung eines Einhorns aus:
Gessner, Conrad: Historia animalium /
De quadrupedibus viviparis, 1551,
Signatur: H61/2 TREW.C 46
Bei männlichen Säugern treten die Zähne oft in einem neuen Kontext auf. Sie dienen nicht nur der Ernährung oder als Waffen, sondern als Imponierorgane im Wettbewerb mit anderen Männchen. Diese Funktion lässt sich besonders gut bei primitiven Hirschartigen mit riesigen Eckzähnen im Oberkiefer nachweisen, die bei den höher entwickelten Geweih- und Hornträgern zurückgebildet sind. In diese Reihe gehören auch die Stoßzähne der Elefanten, Walrösser und Flusspferde, die bei den Bullen deutlich stärker entwickelt sind. Die vielleicht bizarrste Entwicklung stellt der Stoßzahn des Narwals dar, der unter anderen realen Tierformen die Vorlage für das mythologische Einhorn geliefert hat.
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